
KRAFTTIERE, GEISTER UND HELFER DER SCHAMANEN
Fast jeder Schamane hat einige Krafttiere, Geister und Helfer, die ihn bei seiner schamanischen Arbeit unterstützen. Jedes Krafttier, jeder Geist oder Helfer hat wiederum bestimmte Eigenschaften, die der Schamane zu nutzen versteht. Ein Schamane gerät immer wieder in Situationen, in denen seine eigene Kraft nicht ausreicht. um eine bestimmte schamanische Handlung zu vollziehen. Da er seine eigene Kraft jedoch niemals erschöpfen soll, muss er sich also bemühen. zusätzliche Kraft von außen herbeizuholen. Diese zusätzliche Kraft kann ihm von einem Krafttier, einem Geist oder einem Helfer gegeben, bzw. für einen gewissen Zeitraum geliehen werden. Der Schamane natürlich dazu fähig sein, die zusätzliche, oft vielleicht auch fremdartige Kraft mit seiner eigenen Kraft zu verbinden, um sie kontrolliert einsetzen zu können. Er ist derjenige, der die einzelnen Kräfte koordiniert und lenkt. Nun könnte man vermuten, dass es sich bei Krafttieren und Geistern um willenlose 'Wesen handelt, die dem Schamanen bedingungslos ergeben sind und jedem seiner Befehle gehorchen - doch so ist es keineswegs. Der Schamane muss natürlich die Kräfte, die er einsetzen will, in gewissem Maße beherrschen. Das heißt aber wiederum auch: er muss sie genau kennen, er muss sie kontrollieren und lenken können und die Fähigkeit besitzen, sie mit seiner wieder zur Verfügung gestellt werden. Deshalb ist es erforderlich, dass er gewisse Gegenleistungen erbringt. Es wird von ihm verlangt, dass er den Kontakt zu seinen Krafttieren, Geistern oder Helfern pflegt, dass er sie beachtet und ihnen zeigt, dass er sie gern hat, und dass er ihnen, sofern dies irgend möglich ist, ihre Wünsche erfüllt.
Diese Wünsche wiederum können sehr verschieden sein. Manche Krafttiere brauchen z.B. viel Bewegung, und so erwarten sie von ihrem Schamanen, dass er regelmäßig Dauerläufe unternimmt. Andere verlangen bestimmte Opfergaben, Änderungen in den Lebensgewohnheiten des Schamanen, bildliche Darstellungen ihrer Kraft oder ihrer Erscheinungsform etc. Die Forderungen der Krafttiere, Geister oder Helfer übersteigen aber nur selten die Leistungsfähigkeit des Schamanen. Viele dieser Forderungen mögen nicht leicht zu erfüllen sein, denn sie verlangen in der Regel immer Aufmerksamkeit, Zeit, Geduld und guten Willen.
Als Schamane könnte man nun kühl kalkulieren, wo der größere Nutzen für die schamanische Arbeit liegt: Entweder man erfüllt die Wünsche seines Krafttiers, Geistes oder Helfers und sichert sich somit ein bestimmtes Kraftpotential oder verschiedene Fähigkeiten, oder man verzichtet auf die zusätzliche Kraft. Kein Schamane wird erwarten, dass seine Krafttiere, Geister oder Helfer bei ihm bleiben werden, wenn er sie nicht gut behandelt und sie mit dem Notwendigsten versorgt. Die meisten Schamanen sind in dieser Beziehung jedoch keine kleinlichen Rechner. Sie bitten um zusätzliche Kraft. Daraufhin kommt früher oder später die Kraft in Gestalt eines Tieres, eines Menschen oder eines Gegenstands auf sie zu. Da sie ja darum gebeten haben. können sie die Kraft nicht einfach wieder wegschicken. Sie vertrauen also darauf, dass ihnen in diesem Moment genau die richtige Kraft in der richtigen Gestalt gesandt wurde. So bemühen sie sich zunächst einmal. diese Kraft anzunehmen, zu lieben und zu respektieren. Daraus entsteht dann meist ein sehr freundschaftliches Verhältnis. Sollte es dem Schamanen nicht gelingen, sich mit der Kraft zu verbinden und mit ihr zu arbeiten, besteht immer noch die Möglichkeit, das Verhältnis aufzulösen. Dies sollte man jedoch nie aus Faulheit oder Bequemlichkeit tun. Andererseits kann es gelegentlich notwendig sein, daß der Schamane seine Stellung deutlich macht. Es ist keineswegs das Ziel eines Schamanen, sich von seinen Geistern oder Krafttieren beherrschen zu lassen. Wenn also der Geist einmal eine unverschämte Forderung stellen sollte, muss der Schamane ihn in seine Schranken verweisen und notfalls auch dazu bereit sein, auf seine Dienste zu verzichten. Der Schamane darf niemals von Geistern oder Helfern abhängig, werden.
Geister
Geister treten in
menschenähnlicher Gestalt auf. Im Gegensatz zu der Arbeit mit Krafttieren,
die für den Schamanen unerlässlich ist, werden Geister nicht von allen Schamanen
erworben. Die Geister sind nicht wie die
Krafttiere natürliche Begleiter des Schamanen. Eine Ausnahme
stellt jedoch der Schutzgeist dar, der die schätzende Funktion des Krafttiers übernimmt. So kann ein Nichtschamane anstelle
eines Krafttiers, das sein Leben beschützt, auch
einen Schutzgeist haben. 'Wenn der Schamane einen Schutzgeist hat. wird er sich trotzdem darum bemühen, auch den Kontakt zu
seinen Krafttieren herzustellen, denn die Krafttiere
des Schamanen haben ja nicht nur die Funktion, ihn zu schützen. Sie helfen ihm vielmehr auch bei seiner schamanischen Arbeit
und bei seinen alltäglichen Angelegenheiten. So
kann der Schamane beispielsweise sein Krafttier ausschicken, um zu erfahren. was
an einem anderen Ort der 'Welt
geschieht. Bei einer Heilung kann er seine Krafttiere um Rat fragen und sich von ihnen die benötigte Kraft verleihen
lassen. Er kann sein Krafttier aber auch einsetzen, um
sich beispielsweise einen Parkplatz zu besorgen oder in einem überfüllten
Restaurant einen Platz
freizumachen. Ein Krafttier verschafft dem Schamanen jeden Vorteil. Natürlich
kann es seinem
Krafttier pflegt und seine Wünsche erfüllt. ist es ihm ein treuer Diener. Man
könnte es auch so ausdrücken >
Ein Krafttier ist für den Schamanen immer „positiv", während ein Geist
hingegen keinesfalls immer "positiv" sein kann. Das ist vielleicht
auch einer der Gründe dafür,
warum nicht jeder Schamane mit Geistern arbeitet.
Das Krafttier wird durch die Bewusstmachung
und die praktische Arbeit zu einem Teil des Schamanen. Es verlässt ihn nur, wenn es glaubt. nicht mehr erwünscht zu sein,
oder wenn er es schlecht behandelt. Es würde z.B.
niemals gegen den Schamanen kämpfen oder sich für zugefügte Schmerzen
rächen. Bei einem Geist kann man
dies nicht unbedingt voraussetzen, ausgenommen ist hiervon natürlich der
Schutzgeist.
Ein Geist leistet in der
Regel für einen Schamanen keinen Dienst - wenn er nicht entsprechend
dafür belohnt wird. Der Geist kennt nur seine eigenen Interessen, und das
Wohlergehen des Schamanen ist ihm meist
ziemlich gleichgültig. Ein Geist verrichtet alle Arbeiten, die ihm der
Schamane aufträgt und er kennt
keine moralischen Bedenken. Er kann also vom Schamanen auch für die "schmutzigeren"
Arbeiten eingesetzt werden. Natürlich trägt der Schamane die Verantwortung für
derartige Handlungen und muss sich auch mit den Konsequenzen auseinandersetzen.
Der Geist ist demzufolge nur ein
Erfüllungsgehilfe.
Je besser der Schamane in der Tonalwelt zurechtkommt, desto mehr Kraft
besitzt er. Diese darauf achten., daß er sich nicht mit seinen
Fähigkeiten oder der Qualität seiner Geister brüstet.
Dies kann nämlich dazu führen, dass er seine Fähigkeiten verliert, oder dass seine Geister ihn im Stich lassen. Er sollte es vermeiden, sich Herrscherallüren zuzulegen. Die Kraft kann genauso schnell wieder genommen werden, wie sie zuerst gegeben wurde.
Es ist unmöglich, für die Zusammenarbeit mit Krafttieren oder Geistern konkrete praktische Anweisungen zu geben, da diese meist sehr individuell gestaltet wird. Man kann nicht allgemein festlegen. welcher Geist die speziellen Fähigkeiten besitzt, derer man sich bedienen möchte. Jeder muss selbst herausfinden, welche Fähigkeiten sein Krafttier oder sein Geist besitzt. Die einfachste Lösung besteht darin. das Krafttier oder den Geist danach zu fragen. Aus der direkten, unmittelbaren Kommunikation ergeben sich dann Möglichkeiten und Wege der Zusammenarbeit.
Helfer des Schamanen
Pflanzen und Wurzeln
Zu den Helfern gehören vor allem Pflanzen und Kraftgegenstände. Um eine bestimmte Pflanzenkraft kennen zu lernen, unternimmt der Schamane eine Geistreise in die Pflanze. Als Tor kann man eine Blüte, ein Blatt, ein Astloch oder auch eine Wurzel verwenden. Nachdem man durch das Tor getreten ist, bewegt man sich in die Pflanze hinein. Wenn das Tor eine Blüte war, geht man durch den Stil abwärts; war das Tor jedoch die Wurzel, bewegt man sich den Stiel oder den Stamm entlang aufwärts. Bei dieser Geistreise erfährt man dann etwas über die Kräfte der Pflanzen und ihre Anwendungsmöglichkeiten.
Es kann jedoch auch geschehen, dass ein Krafttier oder ein Geist die Anwendung einer bestimmten Pflanze bei einer schamanischen Heilung vorschlägt. In diesem Fall kann das Krafttier oder der Geist auch bezüglich der Fähigkeiten und Anwendungsweise der Pflanze befragt werden. Wenn der Schamane mit einer Pflanzenkraft arbeiten will, muss er sich zunächst mit ihr verbinden. Meist wird dazu ein Stück von der Pflanze gegessen. Einige andere Pflanzenteile
Kraftgegenstände
Kraftgegenstände werden
meist unter ungewöhnlichen Umständen gefunden oder erworben.
Sie können auch von einem Schamanen an den anderen vererbt oder
weiterverschenkt
werden. Findet man einen solchen Kraftgegenstand, kann man wiederum durch
eine Geistreise herausfinden, welche Kraft ihm innewohnt und wie man sie
einsetzen kann. Bei
Kraftgegenständen, die man geschenkt bekam,. ist es oft sinnvoll, den
vorherigen Besitzer danach zu
fragen, sofern dies möglich ist. Man sollte auf jeden Fall niemals einem Schamanen einen Kraftgegenstand stehlen oder
ihn ohne seine Erlaubnis berühren. Manche Kraftgegenstände
sind so gut geschätzt, dass sie ihre Kraft nur ihrem Besitzer zur Verfügung
stellen. Ein anderer Schamane kann sie somit
nicht verwenden.
Es besteht aber auch die Möglichkeit,
dass die Kraft in dem Gegenstand zu stark für einen anderen Schamanen ist.
Wenn es ihm dann nicht gelingt. die Kraft zu
zähmen und sie sich dienstbar zu machen, kann die
Kraft ihn vernichten. In extremen Fällen kann dies sogar seinen Tod
hervorrufen.
Jeder Schamane muss darauf
achten, dass er seine Geister, Krafttiere und Helfer beschäftigt.
Wenn man also ihre Fähigkeiten einmal erkannt hat, sollte man ihnen auch Gelegenheit
geben, ihre Kraft einzusetzen. Dabei ist es relativ unwichtig, ob es sich um
Angelegenheiten des Tonal oder des Nagual
handelt. Wenn man beispielsweise einen Geist besitzt,
dessen Fähigkeit darin besteht, bestimmte Orte in einer fremden Umgebung aufzusparen.
kann man bequem auf Landkarten oder Stadtpläne verzichten.
Befindet man sich beispielsweise in
einer fremden Stadt, in der man eine bestimmte Straße sucht, bittet man einfach seinen Geist, die Führung zu
übernehmen. Man kann ihn natürlich auch darum bitten, einen
bestimmten Ort im Nagual ausfindig zu machen.
